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Wozu ein Herzschrittmacher?
Ein Herzschrittmacher ist für solche Menschen gedacht, die unter Herzrhythmusstörungen leiden. Er ersetzt und unterstützt lebensnotwendige Reize für die korrekte Funktion des Herzens.

Das Herz und seine Funktionsweise
Das Herz ist ein faustgroßer Hohlmuskel, der aus vier Kammern besteht. Der rechte und der linke Vorhof (Atrium) bilden die obere Herzhälfte, die rechte und die linke Kammer (Ventrikel) bilden die untere Herzhälfte. Indem sich der Herzmuskel in regelmäßiger Folge zusammenzieht (Kontraktion) und entspannt, pumpt er das sauerstoffarme Blut aus dem Körper durch die rechte Herzhälfte zur Lunge, wo es mit Sauerstoff angereichert wird. Von der Lunge fließt das Blut
in die linke Herzhälfte, um in den Körper gepumpt zu werden, wo es Gewebe und Organe mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt. Herzklappen sorgen ähnlich wie Ventile dafür, dass das Blut nur in die eine Richtung fließt.

Ausgelöst wird die Kontraktion des Herzens durch einen elektrischen Impuls des Sinusknotens oberhalb des linken Vorhofs. Er ist der natürliche Schrittmacher des Herzens. Wird nun der Impuls ausgelöst, ziehen sich die Vorhöfe zusammen. Der Impuls trifft anschließend auf den Atrioventrikularknoten (AV-Knoten), einem biologischen Sensor am Übergang von den Vorhöfen zu den Herzkammern. Dieser AV-Knoten hat die Aufgabe, die Leitung des elektrischen Impulses von den Vorhöfen zu den Kammern zu verzögern, die Herzkammern also vor zu vielen und zu schnellen Vorhofimpulsen zu schützen. Nach der Weiterleitung des Impulses an die Kammern, ziehen sich diese ebenfalls zusammen.

Zu Störungen des Herzrhythmus kommt es vermehrt im steigenden Lebensalter. Das Herz kann zu langsam schlagen (Bradykardie) oder zu schnell (Tachykardie). In manchen Fällen treten die Störungen in Kombination auf.
Der Grund ist meist eine Erkrankung oder Schädigung des Sinusknotens oder des AV-Knotens. Die Herzfrequenz nimmt ab, der Puls wird unregelmäßig und somit kann der Organismus nicht mehr ausreichend gut mit Blut versorgt werden. Schwindel- oder Ohnmachtsanfälle und schnelles Ermüden sind die möglichen Folgen. Hilft der Einsatz von Medikamenten nicht mehr weiter, wird ein Herzschrittmacher eingesetzt.

Was ist ein Herzschrittmacher?
Ein Schrittmacher ist ein kleines Gerät, das die Herzfrequenz und den Herzrhythmus regelt, wie ein Sinus- und/oder ein Atrioventrikularknoten funktioniert. Er besteht aus einem glatten Metallkästchen, kleiner und dünner als eine Streichholzschachtel. An ihm sind je nach Aufgabe bis zu 3 lange Drähte angeschlossen, die Elektroden. Eine Batterie sorgt dafür, dass der Schrittmacher über Jahre elektrische Impulse abgeben kann. Der Schrittmacher enthält mikroelektronische Schaltungen, die denen eines winzigen Computers gleichkommen und die es ihm ermöglichen, unverzüglich auf Veränderungen der Herzfrequenz zu reagieren.
Über die Elektroden, deren Enden in der Wand des Herzens verankert werden, gibt er die elektrischen Impulse ab. Eine solche Elektrode besteht aus einem dünnen Metalldraht mit einem Isoliermantel aus Kunststoff.

Verschiedene Typen und Aufgaben
Je nach Art der Rhythmusstörung werden verschiedene Typen von Schrittmachern implantiert:
-Vorhofschrittmacher stimulieren das Atrium. Sie werden für Patienten mit einer gestörten Sinusknotenfunktion verwendet. Das bedeutet, dass sich der Vorhof nicht oft genug zusammenzieht. Dieser Schrittmachertyp erfordert eine normale Funktion des AV-Knotens.
-Kammerschrittmacher stimulieren den Ventrikel. Dieser Schrittmacher wird hauptsächlich bei Vorhofflimmern eingesetzt.
-2-Kammer-Schrittmacher sind mit zwei Elektroden ausgestattet, so daß sowohl der Vorhof als auch die Kammer stimuliert werden können. Sie sind für Patienten mit Funktionsstörungen des Sinus- und/oder AV-Knotens geeignet.
Die heutige Generation der Herzschrittmacher stimuliert das Herz nur bei Unregelmäßigkeiten.
Eine Förderung des Eigenrhythmus des Herzens steht im Vordergrund. Bestimmte Typen können zusätzlich die eigene Herzaktivität registrieren, sie sind frequenzadaptiv. Bei erhöhter Belastung nimmt der Schrittmacher diese Aktivität als eine körpereigene Reizung wahr und verhält sich passiv.

Operation und Nachsorge
Die Implantation eines Herzschrittmachers ist heute ein Routineeingriff und wird unter örtlicher Betäubung durchgeführt. Sie dauert kaum länger als 45 Minuten. Der Schrittmacher wird meist unterhalb des linken Schlüsselbeins eingesetzt. Die Lebensdauer eines Herzschrittmachers liegt heutzutage zwischen 5 und 12 Jahren. Durchschnittlich überdauern die Implantate 8 Jahre. Nach einer kurzen Gewöhnungsphase kann ein Mensch mit einem Schrittmacher wieder ganz normal am Leben teilnehmen. Wichtig ist, regelmäßig alle 6 Monate zur Nachsorge zu gehen. Der Kardiologe überprüft dabei in einem einfachen Verfahren die Funktionen des Schrittmachers und nimmt gegebenfalls neue Programmierungen vor.

Störungen
Die modernen Geräte sind sehr gut gegen äußere Einflüsse wie elektromagnetische Strahlungen abgeschirmt, sodass im Alltag kaum Risiken einer Störung bestehen. Elektrische Geräte wie -Mikrowelle, -Haartrockner, -Heizdecke, -Rasierapparat, -Küchenmaschinen oder -Stereo-Anlagen können bedenkenlos genutzt werden. Wichtig ist, dass alle Haushaltsgeräte in einwandfreiem Zustand sind! Sollten in der Nähe von elektrischen Geräten dennoch Symptome wie erhöhter Puls, unregelmäßiger Herzschlag oder Schwindel auftreten, entfernen Sie sich bitte sofort oder schalten Sie es aus. Im Zweifelsfall sollte der Arzt über das Vorkommnis informiert werden.
Um jeglichen Störfaktoren aus dem Weg zu gehen, gibt es verschiedene Verhaltensrichtlinien. Zum Telefonieren mit dem Handy sollte das Mobiltelefon auf der dem Schrittmacher gegenüberliegenden Seite gehalten werden. Es sollte auch nicht in der Nähe des Implantats getragen werden, z.B. in einer darüber befindlichen Hemdtasche. Beim Passieren der Diebstahlsicherungsanlagen der Kaufhäuser ist auf zügiges Gehen zu achten. Generell meiden sollten Herzschrittmacherträger die sogenannte Magnetröhre aufgrund der starken Magnetfelder. Röntgenröhren (auch im Computertomografen) sind dagegen unbedenklich.

Die Sorge, der Schrittmacher könne künstlich das Leben verlängern, ist unbegründet. Das Herz funktioniert nur, wenn es ausreichend mit Blut und Energie versorgt wird. Im Todesfall haben die kleinen elektrischen Impulse des Schrittmachers jedoch keinen Einfluss mehr auf das Herz und seine Pumpleistung.